Lärm - Stille - Stand
4.- 6. Juni 2015
35. Evangelischer Kirchentag in Stuttgart

Auf dem Markt der Möglichkeiten beim 35. Evangelischen Deutschen Kirchentag in Stuttgart präsentieren die „Bürgerinitiativen gegen Verkehrslärm erstmals zum Thema Lärm auch die Forderung nach dem Recht auf Ruhe und Stille mit einem „Lärm-Stille-Stand“. Von Verkehrslärm geplagte Betroffene fordern gemeinsam ihren Anspruch auf ein Recht auf Ruhe, ein Recht auf ein unverlärmtes Leben. Der mittlerweile "traditionellen" Lärmbox wird zum ersten Mal eine Stillebox zur Seite gestellt. Sie ist einer rheinhessischen Weinbergschutzhütte – einem Trullo – nachgebildet. In der „Lärmbox“ rücken audio-visuelle Sequenzen von Flug-, Bahn-, Straßenlärm und Gesamtlärm auf den Leib. Im „Trullo“ findet der Besucher ersehnte Ruhe und Stille; Gebet und innere Einkehr sind möglich mitten im Kirchentagslärm. „Lärm zerstört Stille – umfassender Lärmschutz durch die Grundrechte“, so lautet das Motto der Aktion, die vom Verein „Für ein lebenswertes Mainz und Rheinhessen e.V.“ in Zusammenarbeit mit geistlichen Initiativen initiiert wurde. „Ruhe bedeutet nicht nur Ausruhen, sondern auch unbedrohte Sicherheit“, so Frank Crüsemann, Theologieprofessor aus Bielefeld. Das Fehlen der Ruhe wirkt zerstörerisch für die Schöpfung und das Leben. Crüsemann interpretiert Lärm als eine Art von Gewalt, die mit den Mitteln des Rechts gezähmt werden muss. Alle gesellschaftlichen Kräfte sind aufgerufen, ihre jeweilige Verantwortung zum Schutz der Menschenrechte nachzukommen. Die Forderung nach körperlicher und seelischer Unversehrtheit wird vervollständigt durch die Forderung nach dem Recht auf Ruhe und Stille – und zwar für jeden Menschen. Es gilt, Lärm ethisch neu zu bewerten und entsprechende gesetzliche Regelungen zu schaffen, die alle Arten von Verkehrslärm uneingeschränkt erfasst, mit dem Ziel eine erträgliche Lärmminderung für alle Menschen zu gestalten. Neben dem Erlebnis in den beiden Boxen diskutieren Betroffene, Politiker sowie Kirchen- und Medienvertreter in acht Gesprächsrunden zu unterschiedlichen Aspekten der Lärm-Still-Thematik; über den Lärm aus verschiedenen Quellen, seine schädliche Wirkung auf alle Dimensionen des Menschen sowie über eine dringende Änderung von Gesetzen und Grenzwerten für Lärm. „Der Staat muss seine Bürger vor Gewalt schützen, sonst verliert er seine Existenzberechtigung“, so Crüsemann. Unterstützt wird das Projekt „Initiativen gegen Verkehrslärm“ vom Bündnis der Bürgerinitiativen – gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens, der Zukunft Rhein-Main, verschiedenen Initiativen gegen Fluglärm in Mainz und Rheinhessen, der Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg und vielen privaten Spenderinnen und Spendern, die die Teilnahme am Kirchentag möglich machen. Justizminister Prof. Dr. Gerhard Robbers wird bei der Eröffnung des Stands mitwirken. Verkehrsminister Winfried Hermann, Prof. Dr. Frank Crüsemann, Daniel Köbler, MdB Frank Gastel sowie Präses Dr. Ulrich Oelschläger werden unter anderem an unterschiedlichen Rundgesprächen teilnehmen. Die RLP Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat Ihren Besuch auf dem „ Lärm-Stille-Stand“ für Freitag, 05. Juni gegen 12.45 Uhr angekündigt. Sie finden den „Lärm-Stille-Stand“ in der Zelthalle 9, Standnummer E02 auf dem Markt der Möglichkeiten, Neckarpark Stuttgart vom 04.-06. Juni 2015.